Johannes Zacherl malt. Er malt wie ein Süchtiger und verschlingt dabei die Welt, die ihn umgibt. Alles wird zum Motiv und verwandelt sich in Linien, Farben, Fläche, in Vorder- oder Hintergrund. Das Leben ist kurz und die Empfindungen so heftig, dass er sie direkt und ohne zu warten umsetzen muss. Seine Handlungen sind präzise, entschlossen, seine Bewegungen  ausholend,  die Farben beginnen unter seinem Pinsel zu vibrieren und zu leben.Seine Bilder sind riesig, sie füllen allen vorhanden Platz aus und zwingen uns so, in die   Welt einzutauchen, die er geschaffen hat. Das Malen selbst wird zum heiligen Tanz, wobei es  gleichgültig ist, ob das veehrte Götzenbild ein Frauenkörper, eine Blume oder ein Fisch ist.. Er tanzt um sein Model herum, bewundert es in all seinen Aspekten – malt er, so schlägt er um sich, stampft, schleudert, schnaubt, ist gewalttätig und kompromisslos, er wirft sich nach vorne, wie ein Krieger in die Schlacht, als hinge sein Leben ab, von dieser gespannten Konzentration, von einem einzigen Moment, von einem Pinselstrich.


          Photo : Andrea Ferrés


Die Sonnenblumen kommen jedes Jahr zur gleichen Zeit, wie die ersten Frühlingstage. Die ersten Sprösse leuchten in ihrem schreienden Grün und jeder Kopf, noch  versteckt in seiner Mütze, ist kaum grösser, als eine Kinderfaust. Sie wachsen, sie erheben sich mäjestätisch, die Sonne selbst herausfordernd in ihrer Pracht und ihrem strahlenden Gelb.

Doch bald, als wären sie zu stolz und sicher gewesen in ihrem Wettstreit gegen die Sonne, neigen sie ihre Köpfe unter dem Gewicht ihrer eigenen, reifenden Samenkörner. Ihr Glanz verbasst und ihre hellen Blätter werden dunkel, welk und braun. Die Natur ist für Alle die gleiche, nur die Parameter ändern sich.


              65 cm x 47 cm                                                300 cm x 195 cm                                    120 cm x 185 cm



In diesem Jahr wurden die Sonnenblumen nicht geschnitten, nicht geerntet. Sie sind den ganzen Winter auf den Feldern geblieben, gepeitscht von Regen und Wind. Noch stehen sie aufrecht, trocken und leer. Die kostbaren Körner, verstreut und verdörrt. Sie sind schwarz, verbrannt,  von der Sonne, die sie nicht verschonte,  auf einem Stil, der so schwach ist und dünn, dass man sich fragt, wie er  noch etwas tragen kann. Sie halten sich gerade, in Reih und Glied, tot.



triptique : 210 cm x 750 cm. Photo M.Dunev



Dieses Schauspiel sieht Johannes von seinem Fenster aus.

Die Verwandlung dieser grossartigen Landschaft geschieht vor seinen Augen, hier, auf den Feldern rund um sein Haus, er braucht nicht einmal den Kopf zu drehen.Und für jemand, der ihn kennt, ist es nicht verwunderlich, dass diese Sonnenblumen eine neue Serie von Bildern auf die Welt bringen werden ... Mit Sicherheit, weil alles, was Teil seiner Welt ist, oder sein wird, in Malerei umgesetzt wird, vielleicht aber auch, als letzte Hommage an diese Blumen, um ihnen zu sagen, dass sie nicht umsonst gestorben sind.

Hélène Yousse


                                                                                  Tournesol Herisson 180 cm x 460 cm